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26.06.18 20:41

Schule einmal anders – Projektwoche am Technischen Gymnasium


Von: Stephanie Groves


In der Woche vor den Sommerferien fanden auch in diesem Jahr die Projekttage des Technischen Gymnasiums an der BBS I Technik statt. In zwölf Einzelprojekten hatten die Gymnasiasten die Möglichkeit, eine Woche lang Neues zu entdecken, Bekanntes zu vertiefen und ihre Fähigkeiten zu erweitern. Die Woche schloss mit der Präsentation der Projekte am letzten Schultag ab, nach der dann die langersehnten Zeugnisse überreicht wurden.


Blick durch das Nivelliergerät

Bye Bye Biene & Co

BIC

SWR-Team und Projektgruppe ("Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage")

Lebensmittelprojekt

Linienverfolger-Roboter

Bikebiathlon

Gegen das Vergessen

Ausgerüstet mit einem Nivelliergerät auf Stativ, Messlatten, Maßbändern, Lattenrichtern und Feldbuch hieß es für die Schüler bei dem Projekt „Vermessungstechnik“, dessen Projektpate Herr Rieser war, am ersten Tag nach einer kurzen theoretischen Einführung erst einmal, die Genauigkeit der Nivelliergeräte zu prüfen. Am zweiten Tag führten sie ein Höhennivellement über mehrere Ecken durch, dabei wurden Traversen von Gullideckel zu Gullideckel gezogen. Da der Gruppe die amtlichen Höhen der Gullideckel bekannt waren, konnten sie die Zwischenpunkte als echte Höhenmeter ü. NN ausrechnen und eine Fehlerberechnung durchführen. Am dritten Tag kamen zur bereits gewohnten Ausrüstung Fluchtstäbe hinzu, damit wurde eine Bezugsstrecke abgesteckt, um auf der Pausenwiese ein Flächennivellement durchzuführen. Der vierte Tag diente schließlich dazu, die gesammelten Ergebnisse aus den Feldbüchern in ordentlich geführte Tabellen und Skizzen zu überführen und die Präsentation der Ergebnisse für den letzten Tag vorzubereiten.

Das Projekt „Microcontroller“, das von Herrn Ruby angeboten wurde, fand in Kooperation mit dem Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik an der Universität Kaiserslautern statt. Der Leiter des Lehrgebiets Leistungselektronik, PD Dr. Ing. habil. Bernhard Hauck, gab den Schülern eine Einführung in die Grundlagen der Elektrotechnik und zeigte ihnen die ersten Schritte bei der Programmierung von Microcontrollern auf. Nach dieser Einführung durften sich die Gymnasiasten dann selbst an der Programmierung einer Ampel- oder Zeitschaltung sowie einer Schleifenprogrammierung probieren. Daneben besichtigte die Gruppe den Campus der Universität Kaiserslautern, die Universitätsbibliothek sowie das dortige Elektrolabor.

Im Rahmen des Projektes „Bye Bye Biene & Co.“, das von Frau Drechsel und Frau Giese geleitet wurde, beschäftigten sich die Projektteilnehmer mit der aktuellen Thematik des Insektensterbens, insbesondere des Bienensterbens. Nach einer ausgiebigen Recherche zu dieser Problematik und einem informativen Vortrag des Imkers Herrn Rainer Klug vom Imkerverband Rheinland Pfalz e. V., konnte am Mittwoch mit dem praktischen Arbeiten begonnen werden. In einer der schulischen Werkstätten wurde gesägt, geschliffen und gebohrt. Es entstanden die verschiedensten Arten von Wildbienennisthilfen, wie Holzstelen, Dosennisthilfen und bearbeitete Strangfalzziegel, welche zu einem Bienenhotel auf dem Schulgelände zusammengefügt und aufgeschichtet wurden. Des Weiteren wurde der Grünstreifen um den Fahrradstellplatz schweißtreibend umgegraben und zertifiziertes bienenfreundliches Saatgut ausgesät.

Unternehmerisches Denken stand im Zentrum des Projektes „Planspiel Firmengründung“ unter der Leitung von Frau Voss und Frau Lehmann, welches am Business und Innovation Center Kaiserslautern durchgeführt wurde. Vier Tage lang hatten die Schüler nicht nur die Chance, sich außerhalb ihres Schulalltags mit der Idee des Unternehmertums auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit Schülergruppen anderer Schulen konnten sie auch betriebswirtschaftliche Fragestellungen selbstständig in Gruppen erarbeiten. Die Aufgabe der Schüler war, eine Surfbrettfirma zu gründen und sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Das Planspiel war für sechs Perioden ausgelegt, das entspricht einer realen Zeit von drei Kalenderjahren. Spannend waren die zahlreichen Auswertungen von Prof. Dr. Ralph Wiegland, die allen Gruppen gleichzeitig nach jedem Geschäftsjahr die Marktanteile, die Umsatzzahlen und vieles mehr zeigten. Die Schüler lernten viel über unternehmerisches Denken und Handeln. Ein Teil der Schülergruppe hat nach den Sommerferien die Möglichkeit an dem EBC*L-Intensivkurs (European Business Competence Licence) teilzunehmen. Der Lehrgang vermittelt umfassende Kenntnisse in Wirtschaftsfragen.

Im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dessen Projektpaten Frau Gebauer, Frau Groves und Herr Ritzmann waren, beschäftigten sich die Schüler mit jeglicher Form von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt sowie mit verschiedenen Möglichkeiten couragierten Eingreifens. Mit sehr viel Engagement haben sich die Teilnehmer mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Aus ihrem neu erworbenen Wissen und ihren Alltagserfahrungen mit Rassismus entwickelten sie ein Drehbuch für einen Kurzfilm, der für dieses wichtige Thema sensibilisieren soll: So wurde eine Gewaltszene, die sich auf dem Schulweg ereignete, sowie engagiertes Eingreifen gespielt, gefilmt und selbstständig geschnitten. Hierbei haben die Schüler gute Schauspielerqualitäten bewiesen. Ihre gestellte Schlägerei wirkte so echt, dass eine Anwohnerin die Polizei rief. Aber im Prinzip ist es genau das, was die Schülergruppe mit diesem Projekt erreichen möchte: Dass Bürger Zivilcourage zeigen – ganz nach dem Anspruch „Schau nicht weg, greif ein!“. Auch der SWR zeigte großes Interesse an dem Schülerprojekt, filmte vor Ort und berichtete am nächsten Tag darüber. Es entstand ein sehr gelungener Beitrag.

Bei dem Lebensmittelprojekt, das von Herrn Wunschel geleitet wurde, wurden von den Schülern Gummibärchen, Isomalt-Lutscher und Brot hergestellt. Das Backen eines Roggenmischbrotes wurde von zwei Schülern der Lebensmitteltechnik angeleitet, die auch auf die Theorie des Brotbackens eingegangen sind. Dazu wurden von Herrn Dr. Theis Geräte und aktuelle Entwicklungen in der Bäckerei und Fleischerei vorgestellt. Alle hergestellten Lebensmittel wurden mitgenommen oder direkt verkostet, wobei einige Lutscher ziemlich sauer geschmeckt haben.

Herr Moach bot das Projekt „RaspiRobot“ an. Die Schüler verwenden den Mikrocomputer "RaspberryPi" als Steuercomputer zum Bau eines Linienverfolger-Roboter. Der RaspberryPi wird hierzu um eine Motorsteuerplatine erweitert, welche im Vorfeld von den Schülern mit elektrischen Bauteile unter Zuhilfenahme eines Lötkolbens zu bestücken ist. An die Erweiterungsplatine lassen sich dann neben den beiden Antriebsmotoren auch 2 Infrarot-Reflexionslichtschranken anschließen. Die letzteren beiden dienen zur Abtastung des Bodens, damit der Mikrocomputer das Fahrzeug vom Start entlang einer vorgegebenen Linie ins Ziel steuern kann. Bestandteil der Projektwoche war ein Unterrichtsgang an die Hochschule Kaiserslautern, bei welchem die Schüler neben Informationen zum Hochschulstudium auch Einblick in die Sensorik und die Programmierung selbstlernender Roboter am praktischen Beispiel nehmen konnten. Im Anschluss an die Mittagspause, in der sich zu Studentenpreisen in der Mensa essen durften, stand ein Rechercheauftrag in der Hochschulbibliothek. Den Abschluss des Unterrichtsgangs bildete das Kolloquium "Simulation dynamischer Systeme " am Computerpool, bei welchen die Schüler das Fahrverhalten eines Kraftfahrzeugs anhand von Eckdaten wie Masse, Motorleistung, cw-Wert im Computermodell simulieren durften.

Des Weiteren bot Herr Moach das Projekt „RetroPi“ an. Der im Informatikunterricht als Lernmittel eingesetzte Computer "RaspberryPi" wird als Rechnerherz einer Retro-Spielekonsole eingesetzt. Diese besteht im Wesentlichen aus einem kleinen Tisch, in welchem ein LCD-TFT-Flachbildschirm als Anzeige, ein RaspbrerryPi als Mikrocomputer und Arcade-Buttons als robuste Tasten zum Spielen eingebaut werden. Bei der Umsetzung des Projekts mussten in erster Linie Anforderungen an die Betriebssicherheit, die Energieversorgung und an die Kühlung des Systems erfüllt werden. Zur Programmierung des Mikrocomputers stehen im Internet freie LINUX-Distributionen als Betriebssystem für einen Retro-Spielecomputer zur Verfügung.

Im Rahmen des Projektes „Gegen das Vergessen“, das von Frau Dr. Lax, Frau Ininger und Herrn Schmitt angeboten wurde, beschäftigten sich die Schüler intensiv mit dem bereits vor drei Schuljahren initiierten Stolperstein-Projekt. In der Projektwoche erkundete die Gruppe die jüdischen Spuren in Kaiserslautern und die bislang verlegten Stolpersteine. Sie setzte sich zudem mit den Biographien der im NS-Regime verfolgten Menschen auseinander. Außerdem besuchten die Schüler die Synagoge Beith-Schalom in Speyer und besuchten den Speyerer Dom.

Das Projekt "Medienkompetent in die Zukunft" wurde von Frau Heinz und Frau Moubarak angeboten. Fake news, Filterblase, Identitätsklau, Abzockefallen , Cybermobbing,… Diese Begriffe und mehr haben die Projektgruppe in der letzten Schulwoche beschäftigt. Hierbei wurde sie von verschiedenen Referenten (medien+bildung.com, Verbraucherzentrale, Psychiater) unterstützt. Am ersten Tag konnten die Schüler zunächst selbst testen, welche Nachrichten sie für echt bzw. gefälscht halten. Anders als erwartet, war dies nicht immer ganz so einfach wie gedacht! Anschließend durften sie selbst erfahren, wie schnell es geht, selbst eine gefakte Seite zu gestalten. Am zweiten Tag machte die Projektgruppe die wesentliche Erkenntnis, dass sich unser Gehirn von unserem "täglichen Begleiter", dem Smartphone, sehr stark ablenken lässt, vor allem, wenn es sich unmittelbar in unserem Sichtfeld befindet. Das Smartphone spricht das Belohnungssystem unseres Gehirnes an und bewirkt, dass wir diesen Zusammenhang bewusst gar nicht mehr so leicht abstellen können. Welche Auswirkungen es haben kann, wenn man leichtfertig mit der Weitergabe seiner persönlichen Daten umgeht, und wie man sich vor dem Missbrauch seiner Daten schützen kann, hat die Gruppe am Mittwoch beschäftigt. Zu guter Letzt haben die Schüler dann neben all der kritischen Betrachtung der neuen digitalen Medien diese auch genutzt, um ihre Erfahrungen zu präsentieren. Dies geschah z.B. mit Screen-Shot-Storys von einem Chat oder mit Video - und Audiobeiträgen, die z.T. auch in digitale Präsentationsprogramme eingebunden wurden.

Sportlich hingegen ging es bei dem Projekt „Bikebiathlon“ zu, dessen Projektpaten Herr Stalter, Frau Günther und Herr Fisterer waren. Hierbei erhielten die Schüler die Möglichkeit, neben dem Fahrrad fahren, sich mit der Thematik Sportschießen auseinanderzusetzen. Der erste Projekttag stand unter dem Motto Schießsport. Die Gruppe traf sich am SV Hubertus in Ramstein, um einen Wettkampf zu schießen. Vor dem Start erfolgte eine Einweisung in den Schießsport und eine Sicherheitsunterweisung von Michael Stalter und Wolfgang Langer. Danach ging es auf den Schießstand, wo jedem Schüler eine fachkundige Aufsicht zur Seite stand. Nach der Erklärung der Waffen und einigen Probeschüssen, startete der Wettkampf. Es wurden 30 Schuss auf eine Distanz von 50 m mit Kleinkaliber-Gewehren geschossen. Parallel dazu konnten sich die Schüler das Schießen mit historischen Vorderlader-Waffen anschauen. Besonders Mutige konnten einen Schuss mit einem Großkalibergewehr abgeben. Die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend, es wurden von allen Schülern mindestens 200 von 300 mögliche Ringen geschossen. Am zweiten Tag startete mit leichten Verzögerungen die erste 35 km lange Radtour. Über Otterbach und Katzweiler ging es bis nach Eulenbis hinauf. Nach einer kurzen Pause aufgrund des steilen Anstieges, ging es über Weilerbach und Rodenbach zurück. Leider hatte die Gruppe einen Ausfall zu beklagen, einer der Teilnehmer stürzte und musste leicht verletzt mittels Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Nach einem anstrengenden ersten Tag, folgte eine kürzere 30 km lange Fahrt Richtung Mehlingen. Zurück ging es über Otterberg, wo sich die Gruppe an einer Eisdiele eine verdiente Abkühlung gönnte. Die letzten Kilometer kämpften sich die Schüler eine letzte Steigung hinauf und kamen geschafft um die Mittagszeit an der BBS 1 an. Insgesamt war es ein gelungenes Projekt mit engagierten Teilnehmern. Die betreuenden Lehrkräfte hoffen auch im nächsten Jahr wieder begeisterte Schüler gewinnen zu können.

Sportlich ging es auch bei dem Projekt „Tanz dich fit“ zu, das von Herrn Voss angeboten wurde. Vier Tage lang besuchten die Schüler die Tanzschule Marquardt in Kaiserslautern. Hier lernten sie, unter der Leitung von zwei Tanzlehrerinnen, die Grundschritte und Figuren zu Standardtänzen wie Langsamer Walzer, Rumba, Quickstep und Cha Cha Cha. Außerdem wurde eine kleine Gruppen-Choreografie mit HipHop-Elementen einstudiert.



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Autor: Stefan Möhnen
E-Mail: moehnen@bbs1-kl.de

 
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