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6.01.19 16:16

Deutsch-griechischer Schüleraustausch: Gelebte Einheit in Vielfalt – aus Fremden werden Freunde


Von: Pressestelle KL / Dr. Doris Lax


Wie schnell das europäische Ideal der „Einheit in Vielfalt“ zur lebendigen, begeisternden Erfahrung werden kann, durfte die Schülergruppe der BBS 1 Technik Kaiserslautern gemeinsam mit ihren Partnerschülern des Technischen Lyzeums Lechena, Griechenland, bei der ersten Austauschwoche (8.-15.12.) des von der Stiftung EVZ, „Europeans for Peace“ geförderten deutsch-griechischen Schülerprojekts „Misfits: Diversity Uncovered“ erfahren. Die schwierige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, d.h. den schrecklichen NS-Verbrechen an der griechischen Zivilbevölkerung während der deutschen Besatzung 1941-44, brachte die Jugendlichen noch näher zusammen in der gemeinsamen Überzeugung, dass Unterschiede keine Rolle spielen und auch nie wieder spielen dürfen in einer lebendigen europäischen Gemeinschaft.


Die deutsch-griechische Schülergruppe in Zakynthos...

... und beim gemeinsamen Arbeiten im Technischen Lyzeum

Als die deutschen Jugendlichen am 8.12. nach ruhiger, aber anstrengender Reise über Frankfurt und Athen in der Kleinstadt Lechena ankamen, wurden sie von ihren Partnerschülern und deren Familien warmherzig begrüßt – allseits spürbar mit Erwartungen, wie die Projektwoche verlaufen würde. Doch schon am Sonntag bei einem Ausflug mit erstem historischem Workshop auf die Insel Zakynthos zeigte sich, wie schnell und unkompliziert die beiden Gruppen zu einer Gemeinschaft zusammenwuchsen.

Begleitet von einem Reporter der Lokalpresse, der neben Filmaufnahmen auch Interviews mit Teilnehmern machte, wurde die „Misfits“-Gruppe vom Bürgermeister der Stadt Zakynthos empfangen, der die Kooperation zweier beruflicher Schulen und die im griechischen Raum noch recht ungewöhnliche, aber weitgehend begrüßte Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit lobte und sich sehr erfreut über die Grußbotschaft und das Gastgeschenk des Kaiserslauterer Oberbürgermeisters Klaus Weichel zeigte. Das Gewicht, das dem Besuch und der Gedenkarbeit beigemessen wurde, zeigte sich u.a. daran, dass eigens die Vorführung eines Dokumentarfilms im lokalen Kino über das „Wunder von Zakynthos“ arrangiert worden war. Von einem „Wunder“ wird deshalb geredet, weil die Inselbevölkerung den Besatzern 1943 erfolgreich die Stirn bot, indem sie sich weigerte, die Namen der jüdischen Mitbürger preiszugeben und damit viele Menschen vor der Deportation und dem sicheren Tod rettete.

Dieses Beispiel, wie kollektive Zivilcourage schützt und stärkt, wie wichtig das Eintreten füreinander ist, um lebendige Gemeinschaft zu gestalten, trug sicherlich seinen Teil zum Zusammenwachsen der beiden Gruppen zu einer wirklichen Gemeinschaft bei, die sich in den kommenden Tagen festigte.

Nach der sehr herzlichen Begrüßung im Technischen Lyzeum Lechena am Montag, bei der neben dem Schulleiter, Panagiotis Vatsis, auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Lechena und der Vertreter des Bezirksschulamtes lobende Worte über die Kooperation der beiden Schulen sowie das Thema des Projekts fanden, ein weiteres Grußschreiben samt Gastgeschenk von OB Weichel überreicht und ein Grußwort der rheinland-pfälzischen ADD verlesen wurden, befasste sich die Projektgruppe bis einschließlich Mittwoch sehr intensiv mit den NS-Verbrechen an der griechischen Zivilbevölkerung. Erschwert wurde die Arbeit durch die Tatsache, dass die Jugendlichen auf das Englische zurückgreifen mussten – auf beiden Seiten eine große Herausforderung, die aber hervorragend gemeistert wurde.

Zentralthema der historischen Arbeit war die Auseinandersetzung mit dem Massaker, das die deutsche Wehrmacht am 13.12.1943 an der Zivilbevölkerung der in den Bergen gelegenen Kleinstadt Kalavryta verübte, wobei über 700 Männer und Jugendliche über 14 Jahren brutal hingerichtet wurden und die Frauen und Kinder in letzter Minute aus der Schule entkommen konnten, in die sie eingesperrt worden waren, ehe die ca. 600 Häuser in Brand gesetzt wurden.

An der 75. Gedenkfeier des Massakers in Kalavryta teilzunehmen und dabei sowohl den deutschen Botschafter in Griechenland, Herrn Plötner, als auch den griechischen Staatspräsidenten, Herrn Pavlopoulos, zu einem Gespräch zu treffen, machte sich die Gruppe am Donnerstag, 13.12., auf den Weg. Allerdings sorgte ein plötzlicher Wetterumschwung schließlich für den einzigen Wermutstropfen der Projektwoche: Da in den Bergen Schnee gefallen und für den späteren Vormittag eine Glatteiswarnung ausgegeben worden war, entschieden die Projektleiter in Abstimmung mit dem griechischen Präsidialbüro, den Sicherheitskräften und der Polizei 35 km vor der Stadt Kalavryta, das Unterfangen zu beenden und umzukehren. Trotz des Verständnisses, dass die Sicherheit allem anderen vorangeht, konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Enttäuschung nicht verbergen, die auch durch einen Stadtbummel durch Patras nicht ganz wettgemacht wurde.

Der abschließende Ausflug ins antike Olympia mit einem Workshop zu den olympischen Idealen des gegenseitigen Respekts und des friedlichen Zusammenwirkens sowie die Schlussbetrachtung am Freitag hingegen zeigten, wie sehr die vielen positiven Erfahrungen, die unbeschreiblich großzügige und herzliche Gastfreundschaft unserer griechischen Freunde und das Gestalten echter Gemeinschaft die Projektwoche zum unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Über all den zahlreichen Kompetenzen, die die Jugendlichen während der Woche erwarben, vertieften und verfeinerten, steht als Fazit, dass sie in all ihrer Unterschiedlichkeit und Vielfalt zur Einheit zusammengewachsen sind und, mit dem Schulleiter des Lyzeums Lechena gesprochen, sich zuerst Fremde trafen, die binnen einer Woche Freunde und schließlich Familie wurden. Die deutsche Hälfte der neu entstandenen europäischen Familie fiebert schon dem Gegenbesuch der griechischen Familienmitglieder von 26.1.-2.2.2019 entgegen!



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Autor: Stefan Möhnen
E-Mail: moehnen@bbs1-kl.de

 
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