PWV-ORTSGRUPPE WEISENHEIM AM BERG
Ungeheuersee

Der Ungeheuersee, 359m ü. N.N. gelegen, ist eine unregelmäßig ovale, über 150 Meter lange und 50 Meter breite Wasserfläche. Erstmals 1599 erwähnt, gehört er heute zur Gemeinde Weisenheim am Berg. Der malerisch gelegene See ist eher ein Teich und gleich in mehrfacher Hinsicht einzigartig. Zum einen ist er weder natürlichen Ursprungs noch wurde er für die Fischzucht angelegt, sondern diente im Mittelalter als Viehtränke. Zum anderen ist er wegen seiner besonderen Flora als Naturdenkmal geschützt.  Sein Wasser ist sehr nährstoffarm und bietet Wollgras und rundblättrigem Sonnentau als seltenen Pflanzen ideale Wachstumsbedingungen. Sein Wasserstand ist starken Schwankungen unterworfen.

 

Für den Namen des Sees gibt es zwei unterschiedliche Erklärungen: Die wissenschaftliche leitet ihn aus den Wörtern „Unger“ für Waldweide und „Heyer“ für Gehege ab; die spektakulärere geht davon aus, dass umgestürzte Bäume unter Wasser mit einem Bewuchs überzogen waren, der fluoreszierend leuchtete, so dass es den Viehhirten und Waldarbeitern an diesem Fleck nicht "geheuer" war.

 

In dem Buch "Pfälzer Sagen und Legenden" von Viktor Carl ist außerdem zu lesen:

 

Waldgeister und Waldfrau

 

Der früher ungepflegte Platz war sumpfig und niemand ging gerne dorthin, weil es unheimlich war und man wusste, dass sich um Mitternacht alle Waldgeister an der Stelle trafen. Sie hielten jeden fest, der vorbeikam und gaben ihn nicht mehr frei. Auch die Waldfrau trieb dort ihr Unwesen. Sie raubte schon manches Kind, das sich auf dem sumpfigen Boden zu weit vorgetraut hatte und riß es hinunter zu sich und wies ihm einen Platz in ihrem unterirdischen Zauberreich zu.

 

Die Glocken läuten heute noch

 

Der Dreißigjährige Krieg ging auch an Weisenheim nicht vorbei. Bevor aber die räuberischen Horden ins Dorf eindrangen, schafften die Bewohner alles Wertvolle zur Seite. So nahmen sie auch die beiden Glocken vom Turm und brachten sie in stockdunkler Nacht hinaus an den Ungeheuersee und versenkten sie dort. Der Pfarrherr vermerkte im Kirchenbuch den Tag und den Ort, wo sich von nun an die Glocken befanden. In ruhigeren Zeiten wollte man sie wieder heben und heimbringen.


Doch Pfarrhaus und Kirche wurden zerstört. Der Krieg dauerte lange und als endlich der Friede ins Land zog, da wußte niemand mehr, wo die Glocken einst versenkt wurden, und die Kirchenbücher konnten nichts mehr aussagen, weil sie ein Raub der Flammen geworden waren.

Doch die Glocken läuten heute noch. Ihr Klang wird besonders an Sonntagabenden im Sommer vernommen.

Es gibt Leute die behaupten, dass das Läuten gar nicht von den Weisenheimer Glocken herrühre, sondern von dem silbernen Glöckchen, das einst die Mönche des Klosters Höningen im Ungeheuersee versenkten.

 


© Stefan Moehnen - BBS1-Technik-KL - www.bbs1-kl.de - 2009